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Rede

9. Juni 2011

Barrierefreier Tourismus für alle!

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren!

Der wesentlichste Aspekt des Reisens ist die Mobilität. Für viele von uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Die An- und Abreise mit der Bahn, die Fahrt mit dem Auto, der Flug oder mit welchem Verkehrsträger auch immer gehört zu fast jedem Urlaub dazu. Eine Reise ohne einen Ortswechsel ist schlicht und ergreifend nicht möglich – für ca. 20 Mio. Menschen mit eingeschränkter Mobilität in Deutschland ist genau dies aber nach wie vor mit enormen Hindernissen verbunden. Ich spreche hier nicht nur über die körperliche Bewegungseinschränkung, auch Einschränkungen beim Hören und Sehen, Allergien und viele weitere Beeinträchtigungen können die Mobilität erschweren. Dabei spielen nicht nur die eigenen körperlichen Voraussetzungen eine Rolle, sondern auch die Frage, wie viel Mobilität uns unsere Umwelt denn überhaupt ermöglicht.

Die Antwort darauf fällt ernüchternd aus: Der touristische Alltag in Deutschland zeigt, dass fast 50% aller Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Wahl ihres Reiseziels nicht nur von eigenen Wünschen und Vorstellungen abhängig machen können, sondern die Wahl von unzureichenden Angeboten eingeschränkt wird . Damit wird all diesen Menschen eine freie Entscheidung wohin die Reise denn nun gehen soll deutlich erschwert. Dieser Zustand ist nicht in unserem Sinne – hier gilt es schnell zu handeln und Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Menschen eine Reiseentscheidung unabhängig von Einschränkungen in ihrer Mobilität ermöglicht. Deshalb stellen wir uns hinter den Antrag der SPD-Fraktion.

Der Antrag ist äußerst umfassend. Er greift viele Punkte auf und zeigt damit wie umfassend das Thema gedacht werden muss. Genau hier hat der Antrag aber auch einige kleine Schwächen. Ein Zuschussprogramm der KfW ist nie sektorspezifisch, sprich es kann sich nicht explizit und exklusiv an touristische Betriebe wenden. Und bei jeder finanziellen Forderung sollte man auch sagen, wie es sich gegenfinanzieren lässt oder wo dafür gespart werden sollte. Gerade wenn es sich an die Länder richtet, also keine Bundeskompetenzen betrifft, stoßen wir da auf Probleme.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt noch einen ganz anderen Aspekt, der neben der sozialen Gerechtigkeit für den Abbau von Barrieren im Tourismus spricht. Denn auch aus wirtschaftlicher Sicht ist ein Ausbau des barrierefreien Tourismus unumgänglich. Der Tourismus steht in den nächsten Jahrzehnten vor großen Herausforderungen, so viel ist sicher – neben Klimaänderungen wird dem demographischen Wandel der bedeutendste Einfluss auf den Tourismus von morgen attestiert. Der Durchschnitt der Touristen wird immer älter, dabei sinkt gleichzeitig die Mobilität. Im Jahr 2020 wird die Zahl der Urlaubsreisenden in Deutschland zwischen 65 und 75 auf über 40% steigen. Es wird also deutlich, dass in Zukunft viele Reisende besondere Bedingungen im Hinblick auf Barrierefreiheit an die Destination ihrer Wahl stellen werden. Die Weichenstellung, wie das Reiseland Deutschland mit diesen Veränderungen auf der Nachfrageseite umgeht, muss jedoch schon heute erfolgen.

 

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