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In jüngster Vergangenheit haben sich die Hinweise auf Vorfälle durch kontaminierte Kabinenluft in Flugzeugen gemehrt. Es drohen im schlimmsten Fall Parkinson ähnliche Symptome. Eine chronische gesundheitliche Gefahr ist nicht auszuschließen. Die Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen hat deshalb eine Anhörung im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages beantragt.
Markus Tressel, tourismuspolitscher Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen, erklärt: "Die uns bekannten Statements der Bundesregierung und der Airlines zeugen nicht von großem Verantwortungsbewusstsein. Sie haben nicht nur eine Verantwortung gegenüber dem fliegenden Personal, sondern auch die Verpflichtung Passagiere aufzuklären, sie über etwaige gesundheitliche Folgen zu informieren und nach (schweren) Störungen auch zu betreuen beziehungsweise für eine Betreuung zu sorgen. Der bisherige Umgang nach Ereignissen mit kontaminierter Kabinenluft ist schlicht ungenügend."
Hintergrund ist die technische Konstruktion, die sich in den 1960er Jahren entwickelt und zunehmend durchgesetzt hat. Die Luft für die Klimaanlage wird dabei aus dem Verdichterteil der Triebwerke entnommen. Man spricht deshalb von "Zapfluft". Durch diese Zapfluft können Öldämpfe aus den Triebwerken in die Atemluft des Menschen gelangen. In einem solchen Falle spricht man von einem "fume-event". Der britische Ausschussfür Toxizität von Chemikalien in Lebensmitteln, Konsumgütern und Umwelt (COT) schätzte schon im Jahr 2007, dass alle 2000 Starts mit kontaminierter Kabinenluft zu rechnen sei. Darauf bezieht sich auch die Lufthansa in einer internen Information für den Flugbetrieb. Das würde, sollten die Zahlen stimmen, etwa bei der Lufthansa ein Fume Event pro Tag bedeuten. Mittlerweile korrigierte der Ausschuss seine Schätzung: Er geht von einem gemeldeten Ereignis mit kontaminierter Kabinenluft auf 100 Flügen aus.
Hinzu kommen die neuesten Erkenntnisse: mittlerweile wurde nachgewiesen, dass das Nervengift TKP auch im Normalzustand in die Kabinenluft gelangt. Zudem gab es jüngst Stichproben an amerikanischen Flughäfen, bei denen 50% der getesteten Personen Metabolite im Blut hatten, obwohl sie noch nicht einmal ein fume-event erlebt hatten.
Wissenschaftlich setzt sich mit dem Thema zum Beispiel Dr. Susan Michaelis auseinander, die als Expertin von der grünen Fraktion zu der nicht-öffentlichen Anhörung eingeladen ist.
Markus Tressel: "Wir haben im September 2010 die großen deutschen Airlines angeschrieben, um mit Ihnen in den Dialog zu treten. Einzig und allein Germanwings antwortete daraufhin. Heute wissen wir: Es gibt Probleme mit kontaminierter Kabinenluft – und zwar bei allen Airlines. Doch es gibt auch schnell umsetzbare Möglichkeiten, 1) Filteranlagen einzubauen, 2) Nervengift-freie Öle zu nutzen und 3) Messungen in der Kabine vorzunehmen. Passiert ist bislang von alldem nichts."
Die Anhörung soll dazu beitragen, den Nebel in Flugzeug-Kabinen zu lichten. Ein Dialog zwischen Experten mit verschiedenen Herangehensweisen ist ein Schritt zu mehr Transparenz, Information und Austausch.