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Anhörung

21. September 2011

Gift im Flugzeug

Airlines und Industrie setzen Gesundheit und Sicherheit aufs Spiel

Die von der Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen beantragte Anhörung im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages zum Thema kontaminierte Kabinenluft in Flugzeugen offenbarte erneut: Gesundheit und Flugsicherheit sind aufgrund von gefährlichen Inhaltsstoffen in Ölen gefährdet. Die Vorwürfe wiegen schwer, die Wissenschaft belegt dieses mittlerweile nahezu lückenlos. Trotzdem keine Einsicht bei Airlines und Industrie, die stattdessen beteuern, die Luft an Bord sei von "einwandfreier Qualität".

Markus Tressel, tourismuspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen, erklärt: "Spätestens heute liegen die Fakten alle auf dem Tisch. Die Airlines sind aufgefordert zu reagieren. Sie beteuern, die Gesundheit für Passagiere und Belegschaft habe höchste Priorität. Dann sollten sie auch entsprechend handeln!"

Zahlreiche Betroffene – darunter PilotInnen und FlugbegleiterInnen – reichten im Vorfeld Stellungnahmen ein. "Die gesundheitlichen Symptome waren erschreckend" , so Tressel. "Wer vor dieser Problematik die Augen verschließt, kann es mit der Gesundheit und Sicherheit im Flugzeug nicht ernst meinen. Hier muss sich etwas tun. Auch die Bundesregierung ist hier gefragt!"

Zur Überwachung gibt es zwei Aufsichtsbehörden: die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) und das Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Während die BFU sehr aktiv vorgeht, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu überprüfen und Fälle zu erfassen, gehen die Bemühungen beim LBA eher dahin, das Problem als solches nicht zu erkennen. Das LBA begnügte sich bis zuletzt damit, dass Fälle, bei denen es zu Ereignissen mit kontaminierter Kabinenluft kam, erst auf Nachfrage gemeldet werden. Sanktionen erfolgten nicht. Das ging aus der Antwort auf eine kleine Anfrage hervor.

Markus Tressel will weiter machen: "Wir werden nun einen Antrag formulieren. Unsere bisherigen Forderungen wurden von drei Experten unterstützt."

Die Grünen wollen die Kompetenzen der BFU stärken, den Einbau von Mess- und Kontrollsystemen für gesundheitsgefährdende Stoffe in der Flugzeugkabine, eine Nutzung von Triebwerkölen, die keine neurotoxischen Stoffe enthalten, die technische Möglichkeit von Filteranlagen bei bestehendem Fluggerät ausreizen, Wartungsintervalle verkürzen und ein Arbeitsgremium einsetzen, bei dem Behörden, Gewerkschaften und Wissenschaft zusammenkommen. Fluggesellschaften sollten auch stärker durch das LBA/ die BFU kontrolliert werden, beispielsweise durch stichprobenartiges Untersuchen der Dichtungen und der Reinheit der Zapfluftkanäle. Dazu sollten empfindliche Sanktionen bei Nichtmeldung und Unterlassung der Informations- und Betreuungsleistungen erfolgen.

Tressel hält fest: "Das sind Forderungen, die konsequentes Handeln in dem Bereich zeigen würde. Das Ausland ist da viel weiter. Auch Airbus hinkt hinterher. Denn es gibt auch etwas positives: Der BOEING Dreamliner (787) macht es vor. Hier wird die Luft nicht mehr an den Triebwerken abgezapft. Eine Kontamination mit Öl ist damit nahezu ausgeschlossen."

 

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