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Regionalentwicklung

Regional ist erste Wahl

Viele ländliche Räume, insbesondere in strukturschwachen Regionen, haben mit dem demographischen Wandel und oft einer schwierigen Erreichbarkeit zu kämpfen. In der Konkurrenz um innovative Unternehmen ziehen sie damit im Wettbewerb mit weniger strukturschwachen Räumen häufig den Kürzeren. Sowohl Unternehmen als auch damit verbundene Arbeitsplätze und in der Folge die junge Bevölkerung wandern ab. Damit verlieren Regionen die Möglichkeit lokaler Wertschöpfung und Entwicklung. Der Verlust von Kaufkraft ist die Folge. Andererseits bieten viele ländliche Räume eine sehr hohe Lebensqualität, eine intakte Umwelt und eine naturnahe Landschaft, die für Familien aber auch für Touristen zur Erholung besonders attraktiv sind. Tourismus kann einigen Orts wichtige Potentiale wecken und stärken, die der Region als Ganzes zugute kommen. Dafür muss es aber gelingen, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und zu stärken sowie regionale Wirtschaftkreisläufe zu erschließen. Derzeit verbleiben von 100 investierten Euro eines Reisenden nur 36 Euro in der Region. Nur 50 Prozent von diesen 36 Euro kommen der ansässigen Bevölkerung etwa durch Löhne und Gehälter zugute. Gelingt es über regionale Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten, diesen Verlust an Kaufkraft und die daraus resultierenden Effekte zu verhindern oder einzudämmen, kann der Tourismus darin eine Schlüsselrolle für eine ökologische, ökonomische aber auch soziale Entwicklung einnehmen. Der Mehrwert liegt dann nicht allein im Ökonomischen. Es ist daher von außerordentlicher Bedeutung, die Bevölkerung in diesen Prozess einzubinden. Nicht überall lassen sich durch den Tourismus solche Synergien erzeugen. Und nicht in allen Regionen ist im Tourismus ein Potenzial für die Region zu sehen. Eine ehrliche Bestandsanalyse der Region ist daher unabdingbar.

Grüne Ziele

In Tourismusdestinationen fallen touristische Betriebe oftmals durch ihre Größe auf. Durch ihre große Flächeninanspruchnahme und ihre Gebäudehülle, die oft durch eine große Oberfläche geprägt ist, bieten Hotels nicht nur ein enormes energetisches Einsparpotenzial, sondern auch die Möglichkeit zur eigenständigen Energieversorgung. Für eine Einbindung in das Landschaftsbild ist dabei eine regionaltypische Architektur ebenso entscheidend, wie dafür notwendige traditionelle Handwerkstechniken. Baukultur im Tourismus geht jedoch über die Gestaltung von Hotels hinaus. Die städtebauliche Qualität hat eine hohe Bedeutung für die Attraktivität eines Reisezieles. Deshalb ist gerade die Erhaltung und Wertschätzung unseres historischen Erbes wesentlich für die Authentizität von Städten und Regionen und für die Möglichkeiten der touristischen Vermarktung.Bauwerke in moderner Formensprache können den Tourismus ebenso bereichern, sofern sie regionale Verankerung mit Zukunftsperspektive verbinden. Die Projekte des Schweizer Architekten Peter Zumthor sind dafür die besten Beispiele, etwa die Therme in Vals. Werden Rohstoffe aus der Region dafür eingesetzt, profitieren weitere Akteure. Doch es muss nicht nur in großen Strukturen gedacht werden. Auch zur Einkommensdiversifizierung eignet sich der Tourismus, vor allem in der Landwirtschaft. Durch die Verwendung von Biomasse als Energieträger, der Direktvermarktung regionaler und ökologischer Produkte über Ökolandbau und das Flächenrecycling von nicht mehr genutzten Scheunen innerhalb von bestehenden Dorfstrukturen für die Beherbergung ließen sich gleich mehrere grüne Ziele verwirklichen und kämen der regionalen Wertschöpfung zugute. Eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der regionalen Wertschöpfung spielt auch die Gastronomie. Hotels sind mit ihrer starken Kaufkraft adäquate Partner, um ökologisch und regional erzeugte Produkte durch eine zusätzliche Nachfrage zu unterstützen. Auch für die kleinteilige Gastronomie ergeben sich durch eine Fokussierung auf diese Produkte Vorteile im Hinblick auf Qualität und Transparenz. Die durch den Tourismus entstehende zusätzliche Kaufkraft in der Region bestärkt also den Green New Deal auch von privater Seite.

Für Investitionen in strukturschwachen Räumen bedeutet die Förderung eines grünen Tourismus also einen mehrfachen Gewinn: Attraktivitätssteigerung des Tourismusgewerbes, mehr Qualität durch ökologische und regionale Produkte, mehr Arbeit für regionales Handwerk und durch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten auch noch eine erhöhte Kaufkraft. Davon profitiert nicht nur die Tourismuswirtschaft. Auch die Bevölkerung profitiert. Damit steigt auch das Interesse, an Entscheidungs- und Entstehungsprozessen frühzeitig teilzunehmen. Das Regionalmanagement sollte hier großen Wert auf Partizipation legen, insbesondere wenn es um touristische Großprojekte geht.

Grüne Maßnahmen

Über die Förderung des Ökolandbaus, der energetischen Gebäudesanierung und der Förderung von erneuerbaren Energien lässt sich eine enge Wechselbeziehung mit dem Tourismus herstellen. Regionalmanager und eine gezielte Clusterförderung können diese Synergie erheblich verstärken. Diese Punkte setzen wichtige Impulse für die Zukunftsfähigkeit der Branche, lassen sich durch den Tourismus als "Devisenbringer" aber auch signifikant verstärken.

Best-Practice

Beispiel: "Restaurant sucht Bauernhof"

Die von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein initiierte Maßnahme führte auf einer Datenbank Gastronom und Bauernhof zusammen. Im Fokus stand dabei der Trend einer steigenden Nachfrage nach regionalen Produkten und regionaler Küche. Dadurch lassen sich nicht nur regionale Netzwerke und Wirtschaftskreisläufe stärken, sondern auch Emissionen einsparen, Qualität und Genuss steigern. Zugleich lernt der Urlauber regionaltypische Produkte und Speisen kennen. Wenn es schmeckt, kommen die Reisenden gerne wieder.

Beispiel: Bio- und Gesundheitshotel in Nordwestmecklenburg

In die Natur von Nordwestmecklenburg in Stellshagen unweit der Ostseeküste eingebettet, befindet sich in einem alten regional typischen Gutshaus ein Bio- und Gesundheitshotel. Natürliche Baustoffe und Wohnmaterialien, regionale und ökologische Produkte in Hotel und Gastronomie gehören ebenso zum Angebot wie das Gemüse aus eigenem Bioanbau (Bioland) und eine hauseigene Bäckerei. Die Energie und Wärme kommt dabei aus dem Blockheizkraftwerk, das durch nachwachsende Rohstoffe aus der Region beliefert wird. Durch die regionalen Produkte werden nicht nur Lieferwege kurz, sondern schon bei der Herstellung ökologischer Produkte wird die Natur geschont. Gäste schätzen diesen unternehmerischen Fokus auf Gesundheit und Ökologie und die ansonsten strukturschwache Region profitiert von vielen nachhaltigen Betrieben in einem starken Unternehmen. Die Auslastung liegt bei 80 bis 90 Prozent.

 

Zusätzliche Information