Das Angebot des öffentlichen Verkehrs in Deutschland entwickelt sich zunehmend gegensätzlich: Während in vielen Städten Bus und Bahn fast rund um die Uhr gut erreichbar sind, wird auf dem Land das Angebot weiter ausgedünnt. Oft besteht der Nahverkehr im ländlichen Raum aus einem auf den Schüler*innenverkehr ausgerichteten Busverkehr als unattraktives Restangebot.

Bei unserem Fachgespräch am 23. Januar haben wir Möglichkeiten diskutiert, wie wir die Mobilität gerade in ländlichen Regionen verbessern können .

Hans Ruedi Rihs, Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau: Verkehrsangebot der Grundversorgung - Mindestbedienstandards im Kanton Aargau

Im Ersten Vortrag ging Herr Rihs auf die Finanzierung des Öffentlichen Personenverkehrs in seinem Kanton ein. Von den kantonalen Parlamenten werde ein Kostendeckungsgrad für Ortsverkehre vorgegeben, um eine Teilwirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung, aber treffe keine Vorgaben bezüglich der Qualität des Angebots. Ein Mindestangebot wird in einigen Kantonen der Schweiz durch eine Verordnung geregelt.

Oliver Wolff, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV): ÖPNV in ländlichen Räumen verbessern - Welchen ÖPNV brauchen wir in Zukunft?

Im zweiten Vortrag erklärte Herr Wolff, dass ÖPNV überall gewährleistet sein müsse und keine Strukturen abgebaut werden dürften. Dafür brauche man an die einzelnen regionalen Gegebenheiten angepasste Mobilitätslösungen. Darüber hinaus forderte er, dass der ÖSPV als Pflichtaufgabe gesetzlich verankert wird und dass der Bund die Kommunen bei der Finanzierung des Angebots unterstützen soll.

Klaus Rüdiger Malter, Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH: Das Bahn-Bus-Landesnetz in Sachsen-Anhalt - Grundgerüst für einen guten ÖPNV in der Fläche

Herr Malter stellte die Forderung auf, dass ein ÖPNV-Grundangebot immer bestehen müsse, auch wenn keine Nachfrage bestünde, da dies Ausdruck der Daseinsvorsorge sei. Parallelsysteme müssten vermieden und eine kostenlose Fahrradmitnahme in Bus und Bahn ermöglicht werden, um die Attraktivität des Angebots zu steigern. Bestimmte Qualitätsstandards müssten zudem von der öffentlichen Hand gefördert werden. (dritter Vortrag)

Dr. Jan Werner, kcw GmbH: Mobilität im ländlichen Raum - Reformbedarf beim Personenbeförderungsgesetz

In seinem Beitrag stellte Herr Dr. Werner klar, dass es seiner Meinung nach beim Personenbeförderungsgesetz nur im Detail Änderungsbedarf gebe. Alternative Bedienformen seien im Regelfall genehmigungsfähig. Das oft mangelhafte ÖPNV-Angebot läge vielmehr an der Unwirtschaftlichkeit des Betriebs. Wenn das Angebot in bestimmten Regionen nicht rentabel sei, müsse die öffentliche Hand entweder ÖPNV beauftragen oder Mindeststandards finanzieren. Deregulierung löse Mobilitätsprobleme im ländlichen Raum, aber schaffe welche im städtischen.

Constantin Pitzen, Fahrplangesellschaft B&B: In den ÖPNV integrierte Mitnahmemöglichkeiten im ländlichen Raum

Herr Pitzen beleuchtete das Thema Vernetzung und insbesondere den integralen Taktfahrplan (ITF). Das Netz müsse insgesamt optimiert werden, um sich möglichst schnell und ohne große Wartezeiten in ländlichen Räumen bewegen zu können. Alle Linien sollten an Knoten ausgerichtet werden, die durch Zubringerverkehre angesteuert werden. Zum Thema Autonomes Fahren merkte Herr Pitzen an, dass dieses gerade in ländlichen Räumen eine gute Alternative sein kann. (fünfter Vortrag)

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer, Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel: In den ÖPNV integrierte Mitnahmemöglichkeiten im ländlichen Raum

Herr Dr. Sommer erläuterte anhand des Projekts „Mobilfalt“ eine Möglichkeit der Integration von Ridesharing in ein ÖPNV-System. Um auf Strecken einen Stundentakt zu gewährleisten, werden Busfahrten um Ridesharingangebote ergänzt, die bei fehlendem Angebot vonseiten privater Fahrer*innen durch Taxifahrten kompensiert werden. Problematisch sei dabei die Gewährleistung der Sicherheit der Mitfahrer*innen, sowie dass das konkrete Angebot und die konkrete Nachfrage oft auseinanderklafften. (sechster Vortrag)

Regionalwirtschaft

  • Mittelstand fördern
  • Einzelhandel erhalten
  • Regionale Wertschöpfung stärken

Nahversorgung

  • Integrative Konzepte entwickeln
  • regionaler Lebensmittel vermarkten
  • Gesundheitsversorgung sichern

Daseinsvorsorge

  • Breitband-Ausbau vorantreiben
  • Interkommunale Zusammenarbeit erleichtern
  • Versorgungslücken überbrücken

Demografie

  • Freizeitangebote schaffen
  • Bürgerbeteiligung ernst meinen
  • Barrierefreiheit umsetzen

Ländliche Mobilität

  • Tourismus fördern
  • Erreichbarkeit des ländlichen Raums sichern
  • Innovative ÖPNV-Konzepte umsetzen

Förderpolitik

  • Fördertöpfe verzahnen
  • Akteure vor Ort stärken
  • Kommunen unterstützen