Der Investitionsstau, der den Charme der 1970er Jahre in vielen Destinationen Deutschlands unverhohlen zeigt, ist weiterhin ein Problem. Die Eigenkapitalquote vieler Hoteliers ist gering. Sie liegt laut Tourismus Sparkassenbarometer 2011 bei durchschnittlich 2,8 Prozent und damit deutlich unter Vergleichswerten, wie dem Dienstleistungssektor (19,1 Prozent). Die Kreditwürdigkeit ist damit häufig nicht gegeben. Nötige Investitionen, wie beispielsweise in energetische Sanierung, die Ökologie und Ökonomie vereinen, können nicht getätigt werden. Wir brauchen Ansätze, die Investitionen in der Branche mit ökologischer und sozialer Lenkungswirkung ermöglichen. Rund dreiviertel der deutschen Landkreise beklagen einen Investitionsstau im Tourismus. Dieser betrifft zum großen Teil die Beherbergung (78,6 Prozent) und die Gastronomie (60,4 Prozent). Die öffentliche Infrastruktur schneidet dabei vergleichsweise gut ab. Hier sehen die Landkreise in "nur" 37,7 Prozent der Fälle einen Investitionsstau.[1]

Grüne Ziele

Förderprogramme und zinsgünstige Darlehen sollen hier Unterstützung leisten. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und das ERP-Sondervermögen sind die Hauptförderinstrumente, die indirekt auch der Tourismusförderung dienen. Diese Mittel müssen mittel- und langfristig weiter verstetigt werden, wenn man den Tourismus in den Destinationen weiter fördern möchte. Bei den GRW-Mitteln haben wir uns in den Verhandlungen zum Haushalt 2012 für eine Aufstockung der Mittel eingesetzt. Dieser fraktionsübergreifende Konsens wurde ins Haushaltsgesetz übernommen.

Wir fordern darüber hinaus einen Energiesparfonds von 3 Milliarden Euro jährlich, der sich aus dem Abbau umweltschädlicher Subventionen speist. Über diesen Fonds sollen auch stromsparende Maßnahmen für die Wirtschaft angeboten werden, wie beispielsweise ein Marktanreizprogramm für Schlüsseltechnologien wie Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen, Beleuchtung oder Green-IT. Zudem wollen wir die Mittel für das KfW-Gebäudesanierungsprogramm auf 2 Milliarden Euro jährlich erhöhen und verstetigen. Sanierungswillige Hoteliers haben damit eine langfristige Planungsmöglichkeit, können energetisch sanieren und dabei die Umwelt schützen. Da in der Wirtschaftsförderung selten sektorale Ansätze verfolgt werden, sondern diese für alle Branchen steht, haben viele Hoteliers keinen Überblick über mögliche Unterstützungen. Es gibt in Deutschland kaum Bankfachangestellte, die auf touristische Dienstleistungen spezialisiert sind und spezifische Beratung zu Krediten oder Geschäftsplänen für Tourismusprojekte leisten können und das, obwohl die Tourismusbranche immer weiter wächst. Das muss sich ändern. Aber auch die Bereitschaft der Branche Energie und Emissionen einzusparen, muss größer werden. Die finanziellen Rahmenbedingungen der Branche werden auch weitere Steuergeschenke nicht nachhaltig verbessern. Unsere Antwort sind zinsgünstige Darlehen. Die Durchlässigkeit solcher Förderangebote ist durch die geringe Eigenkapitalquote und das damit hohe Risiko für die Hausbanken gering. Besserung könnte eine Haftungsfreistellung zwischen 25 und 50 Prozent der Hausbank durch die Förderbanken bringen. Diese sollte mit verpflichtenden Sanierungszielen, wie beispielsweise Energie- oder Emissionseinsparzielen, verbunden werden. Voraussetzung für ein solches Darlehen sollte ein Businessplan des kreditnehmenden Unternehmens sein, um auch das Management weiter zu professionalisieren. Die Haftungsfreistellung sollte haushaltsneutral umgesetzt werden. Dafür gibt es bereits Beispiele, die allesamt keine zusätzlichen Bundesmittel verlangen.

Neben der geringen Eigenkapitalquote kommt erschwerend hinzu, dass der Tourismus starke saisonale Schwankungen hat. Auch dafür sind passende Produkte notwendig. In der Entwicklungszusammenarbeit gibt es bereits Ansätze der KfW zur Förderung der Landwirtschaft, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Beides macht noch einmal deutlich, wie wichtig ein tourismusspezifisches Knowhow in der Hausbank ist.

Grüne Maßnahmen

Wir wollen die finanziellen Rahmenbedingungen durch energetische Sanierungen, die zum Einsparen von Betriebsmitteln führen, für die Tourismuswirtschaft verbessern und damit gleichzeitig zusätzliche Investitionen freisetzen. Geeignete Instrumente dazu sehen wir vor allem in der Verstetigung von geeigneten Finanzierungsinstrumenten, um Planungssicherheit zu schaffen. Außerdem muss eine transparente Angebotsstruktur geschaffen werden. Dazu gehört, dass Hausbanken, Landesbanken und Förderbanken in den Regionen eine Tourismusexpertise aufbauen und bedarfsspezifische Angebote für die Tourismuswirtschaft anbieten. Schulungsprogramme der KfW, die bereits vor Ort stattfinden, sollten tourismusspezifische Belange und Informationen zu Förderprogrammen für die Tourismuswirtschaft aufnehmen. Damit werden nicht nur Investitionen freigesetzt, sondern es ergeben sich auch langfristig bessere finanzielle Rahmenbedingungen, die auch die großen Probleme in der Nachfolgeregelung – insbesondere im ländlichen Raum – zu lösen im Stande sind.

Best-Practice

Beispiel: Tourismusbank GmbH (ÖHT).

In Österreich betreiben die Eigentümer der drei größten Bankinstitute die Österreichische Hotel- und Tourismusbank GmbH (ÖHT) als Spezialbank zur Finanzierung und Förderung von Investitionen im Tourismus. Für die Banken mit spezialisierter Tourismusberatung bedeutet dies einen komparativen Vorteil. Für die Unternehmen eine Stelle, bei der sie spezifisches know-how und den Anforderungen entsprechende Produkte finden. Somit steigen auch die Investitionen und die Produktqualität in der Destination.

[1] vgl. Deutscher Landkreistag (2011): Organisation und Finanzierung der Tourismusförderung in Landkreisen, S.25