Tourismus ist wie kein anderer Bereich auf eine intakte Umwelt angewiesen. Immer mehr Urlauber legen Wert darauf, auf ihrer Reise Natur und Kultur ihres Reiseziels nicht zu zerstören. Nachhaltiges Reisen ist im Kommen. Auch mit konventionellen Reisen kann ein Beitrag geleistet werden – wenn die Angebote sowohl für die Tourismuswirtschaft als auch für die Destination langfristig positiv und dabei ökologisch und sozial verträglich sind. Viel teurer wird der Urlaub dabei nicht, schließlich werden Ressourcen eingespart, was auch den Unternehmen nutzt. Dennoch ist laut Sparkassen Tourismusbarometer 2010 mehr als jeder dritte Bundesbürger bereit, pro Urlaubstag zehn bis zwanzig Euro mehr für ihre Reise zu zahlen. Auch Anbieter sehen daher zunehmend ein Potential darin, entsprechend Reisen anzubieten, die sozialen und ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Deutsche Nationalparks werden jährlich von über 50 Millionen Menschen besucht . So hat zum Beispiel die Gründung des Nationalparks Eifel für ein neues Image einer ganzen Region und für neue Impulse im Tourismus gesorgt. 84 Prozent der Urlauber ist eine intakte Umwelt am Reiseziel sehr wichtig. Konkret bedeutet das Schätzungen zufolge ein zusätzliches Umsatzpotential von 4,5 Milliarden Euro jährlich. Damit steigt die Bedeutung naturnaher Wirtschaftsformen auch insgesamt und dementsprechend auch der Stellenwert der Biodiversität.

Grüne Ziele

Die Gäste, die bereit sind, für ein nachhaltiges Reiseangebot einen Aufpreis zu zahlen, erwarten hierfür allerdings einen nachvollziehbaren Mehrwert. Dies können Angebote aus regionalen Produkten oder eine Umweltfahrkarte für öffentliche Verkehrsmittel sein. Allein für den deutschen Reisemarkt ergibt sich daraus ein Umsatzpotential von 4,5 Milliarden Euro. Dieses Potential sollte genutzt, in konkrete Angebote umgesetzt und von der DZT und anderen Tourismuszentralen beworben werden. Konkrete Kampagnen könnten klimaneutrales Reisen oder qualitätsorientiertes Reisen sein. Wichtig ist, dass die Reisenden auch erkennen, wann sie nachhaltig – also ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich – reisen. Wir wollen Transparenz in das Labeldickicht im Tourismusbereich bringen, um nachhaltige Dienstleistungen auszuzeichnen, ohne dabei grundsätzlich die Vielfalt der verschiedenen Siegel in Frage zu stellen. Besonderen Wert legen wir darauf, dass gerade auch die klein- und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit haben, ein solches Nachhaltigkeitssiegel zu erhalten. Denn 70 Prozent des weltweiten Tourismusgeschäfts liegt in der Hand von mittleren und kleinen Unternehmen. Hotels, die zum Beispiel auf ISO-, DIN- oder EMAS-Zertifikate setzen, sollen das auch weiterhin tun. Auch viele kleinere Siegel haben in ihren besonderen Nischen ihre Daseinsberechtigung. Entscheidend ist die Transparenz hinsichtlich Kriterien sowie Vergabe und Kontrolle der Kennzeichnung. Jene, die "Greenwashing" betreiben, sollen durch das Zertifizierungsraster fallen. Unabdingbar sind eine Stärkung der Verbraucherinformation und der Konsumforschung sowie ein breiter Austausch mit allen betroffenen Stakeholdern aus dem Tourismus.

Tourismusunternehmen können sich heute einem Biodiversitäts-Check unterziehen.

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Er führt durch die verschiedenen Funktionsbereiche des Tourismusunternehmens – vom Management über das Firmengelände und die Liegenschaften, über Beschaffung und Lieferketten bis hin zu Produktion und Marketing. Alle Geschäftsbereiche können sich darauf durchleuchten lassen, welchen Einfluss sie auf die biologische Vielfalt haben. So erhält das Unternehmen einerseits einen Überblick über Negativauswirkungen und gleichzeitig Vorschläge, um diese zu reduzieren. Beim Umweltmanagementsystem EMAS[2] wurde Biodiversität inzwischen als ein signifikanter Umweltaspekt und Performance-Indikator ausgewiesen, d.h. EMAS-zertifizierte Tourismus-Unternehmen müssen daüber berichten, wie sich ihre Wirkungen auf die biologische Vielfalt darstellen und welche Maßnahmen sie zum Schutz der Natur ergreifen.

In den Internationalen Richtlinien über Biologische Vielfalt und Tourismusentwicklung der Biodiversitätskonvention (CBD) wird betont, dass Tourismus positiv auf Ökosystem, Ökonomie und gesellschaftliche Entwicklung wirken soll. Dafür ist es wesentlich, dass der Tourismus einen Beitrag für die Region und nicht nur in der Region leistet. Regionale Produkte müssen dabei gestärkt werden. Das führt nicht nur zu verkürzten Transport- und Anfahrtswegen, durch die Emissionen reduziert werden. Eine gezielte Vermarktung regionaler Produkte, die durch den Tourismus eine zusätzliche Nachfrage erzielen, führt auch zu längeren Wertschöpfungsketten. Das bedeutet: Regionale Rohstoffe werden vor Ort angebaut, verarbeitet und verkauft. Dadurch kommen zum Einen die Umsätze der Region und der heimischen Wirtschaft zugute, zum Anderen stärkt es das Bewusstsein für die eigene Existenzgrundlage der Region und des Tourismus – die intakte Natur.

Grüne Maßnahmen

Umweltschutz im Tourismus geht dementsprechend über ökologische Aspekte hinaus und ist Teil unserer Gesamtstrategie. Wir Grüne wollen den naturverträglichen Ausbau des Deutschlandtourismus insbesondere im Zusammenhang mit den Großschutzgebieten und eines nachhaltigen Tourismus in den Regionen fördern. Dazu gehört eine gezielte Förderung des nachhaltigen Tourismus durch Bundesmittel zur Leistungssteigerung im Tourismusgewerbe. Auch ein Programm zur Verbesserung des Managements von Großschutzgebieten verspricht Erfolg, wenn es touristische Belange integriert. Hierfür werden Regionalmanager eingesetzt, die aus bestehenden (EU-)Förderprogrammen zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur eingesetzt werden. Eine Bestandsanalyse über eine Bundesstudie zu den Tourismuspotenzialen im ländlichen Raum kann hier wesentliche Grundlagen legen. Die dauerhafte Einbindung der Großschutzgebiete in die Aktivitäten der DZT sichert eine Vermarktung im Ausland. Regionale Destinationsverbünde können entscheiden, ob das Potenzial im Naturtourismus themenspezifisch weiter in den Vordergrund gestellt werden kann. Der Ausbau und die Sicherstellung des Schienenverkehrs in der Fläche durch ein Fernverkehrsicherstellungsgesetz verbessert auch die Erreichbarkeit von Großschutzgebieten. Ein grünes, intermodales Mobilitätskonzept maximiert die (An- und Ab-)Reisemöglichkeiten im Hinblick auf Verbraucherfreundlichkeit und minimiert verkehrsbedingte Emissionen. Wichtig ist, dass auch bei nicht vermeidbaren Reisetätigkeiten ein Ausgleich geschieht. Wir fordern, dass CO2-Kompensation von Reisetätigkeiten der Bundesregierung und des Bundestages über Atmosfair ausgeglichen werden, damit die Politik ihrer Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz gerecht wird. Die Einbindung der Gastronomie und Hotelerie in eine klare Effizienzstrategie und Strategie zur Umstellung auf Erneuerbare Energien und gezielte Förderung mit transparenten Angebotsstrukturen bei Hausbanken durch zinsgünstige Darlehen der KfW dient ebenso dem Umweltschutz wie der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Tourismusbranche sollte darüber hinaus gehend für Fragen des Biodiversitätsschutzes sensibilisiert werden, zum Beispiel indem die Einführung eines Biodiversitätschecks gefördert wird. Unabdingbar ist auch die Kundeninformationen über die ökologische, soziale und ökonomische Qualität des Reiseangebots zu informieren, um auch bei den Reisenden eine erhöhte Sensibilität für Belange der Nachhaltigkeit zu fördern.

Best Practice:

Beispiel: "Fahrtziel Natur"

Vorbildhaft ist zum Beispiel die Kooperation zwischen der Deutschen Bahn, dem VCD (Verkehrsclub Deutschland) und den Umweltverbänden NABU und BUND. Mit dem "Fahrtziel Natur"-Angebot werden nicht nur Urlauber ermuntert, CO₂-frei in den Urlaub zu starten, auch wird durch erhöhte Nachfrage und Aufmerksamkeit die Infrastruktur vor Ort, in meist ländlichen Regionen, verbessert. Und während der Tourist sich über ein einmaliges Naturerlebnis und sein reines Gewissen freuen kann, freut sich der Gastgeber über die zahlreichen Besucher. Denn das Projekt kommt gut an.

Beispiel: Natura Trails – Europas Naturschätze erleben

Natura Trails sind Rad- und Wanderwege, die europäische Naturschutzgebiete mit allen Sinnen erlebbar machen. Sie wurden als europäisches Projekt vom internationalen Dachverband der NaturFreunde entwickelt. Natura Trails informieren über Europas Naturschätze, sensibilisieren für den Schutz von Lebensräumen und Artenvielfalt  und werben für die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen in NATURA 2000 –Gebieten. Vorbildlich sind allem das umfassende Bildungskonzept, die enge Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort und der Beitrag zu einer nachhaltigen regionalen Entwicklung.

[1] Siehe www.business-and-biodiversity.de.

[2] Eco- Management and Audit Scheme, auch bekannt als EU-Öko-Audit oder Öko-Audit.