Im Tourismus entsteht bei der An- und Abreise ein Großteil des ökologischen Fußabdrucks. Die Erreichbarkeit des Reiseziels schränkt die Auswahl der Verkehrsmittel deutlich ein, ist aber zugleich ein wichtiges Kriterium für die Vermarktung von Destinationen. Dies gilt in besonderem Maße für ländliche Gebiete. Bei Kurzreisen wird das Auto überproportional viel genutzt. Der Trend zum häufiger und kürzer Reisen verstärkt dieses ebenfalls.

Bei Fernzielen, aber auch bei Mittelstrecken, verzeichnet der Flugverkehr seit Jahren eine Zunahme von Passagieren. Dies ist stark begünstigt worden durch die Billigflieger, durch die der Preis für Flugreisen stark gesunken ist. Beide Trends sind daher zentrale ökologische Probleme, die tourismuspolitisch beachtet werden müssen.

Erfreulich ist: Die Bahn liegt bei Reisen voll im Trend. Die Zahl der Bahnfahrgäste stieg von 1994 mit 1,51 Milliarden auf 2,35 Milliarden (plus 56 Prozent) im Jahr 2008. Von den Bahnkunden wiederum nutzen fast 95 Prozent auf kürzeren Strecken den Bus.[1] Dennoch gibt es hier erhebliche Probleme, die vor allem den ländlichen Raum betreffen. Zum Einen werden viele Regionen durch die Schiene nicht (mehr) erschlossen, zum Anderen stellt sich die Frage, wie die Fahrgäste vom Bahnhof zum endgültigen Reiseziel gelangen. Hier gilt es, das so genannte Problem der "letzten Meile" zu beheben. Die Mitnahme von Fahrrädern bei der Bahn ist dabei immer noch ein Problem, das nicht nur die Mobilität vor Ort einschränkt, sondern auch als Hemmschuh des wirtschaftlich bedeutenden Radtourismus in einigen Regionen gilt. Darüber hinaus zeigen sich erhebliche Probleme bei den Nachtzugverbindungen.

Der Fernreisebusverkehr weist vergleichsweise die geringsten CO2-Emissionen pro Fahrgast auf. Dies gilt insbesondere für voll ausgelastete Charterverkehre, aber auch der Fernbuslinienverkehr ist eine sinnvolle Ergänzung der Mobilitätsoptionen, wenn flankierende Rahmenbedingungen wie eine Mautpflicht, Barrierefreiheit und eine gemeinsame Vertriebsplattform erfüllt werden. Wir setzen uns daher für eine Änderung des Personenbeförderungsgesetzes ein, mit dem Ziel einer Marktöffnung für den Fernbusverkehr.

Grüne Ziele

Ziel grüner Tourismuspolitik ist es, die Lücken zwischen den Verkehrsträgern Bus, Bahn, Schiff, Auto und Flugzeug durch integrierte und intelligente Mobilitätskonzepte zu schließen und aufeinander abzustimmen – für mehr Verbraucherfreundlichkeit und weniger Emissionen! So lässt sich auch das Problem der letzten Meile im ländlichen Raum beheben. Hierbei sind insbesondere auch Lösungen für den Gepäcktransport gefragt, wie ein Haus-zu-Hotel-Gepäckservice, den zum Beispiel die Deutsche Bahn anbietet. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, dafür Lösungen zu finden, sei es durch die Kombination von Bahn- und Busverkehr oder die Flexibilisierung bei der Nutzung von Fahrzeugen (z.B. car-sharing). Auch Initiativen, wie sie der VCD Deutschland zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof zur autofreien Anreise planen, sind ebenso zukunftsweisend wie die Bürgerbusse in der Chiemseeregion. Die Tourismuswirtschaft und –industrie muss hier zusammen mit den Destinationen kreative Lösungen finden und anbieten. In Städten versprechen Projekte wie "Car2go" oder "DriveNow" großen Erfolg. Mit entsprechender Einbindung in das Destinationsmangement entsteht durch Touristen eine zusätzliche Nachfrage. Und so können sich diese Projekte auch auf dem Markt als wirtschaftlich durchdachtes Konzept durchsetzen. Langfristig ist eine Kombination aus Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen und markttauglichen Angeboten notwendig. Ein Beispiel für eine innovative, umweltfreundliche Kooperation ist die kostengünstige Bereitstellung von Elektroautos und Elektrofahrrädern durch interessierte Anbieter unter Einbeziehung der lokalen Autohändler. Damit würden die Touristen einerseits sensibilisiert für neue umweltschonendere Technologien, ihre Anreise würde zugleich erleichtert und Autohersteller erhielten einen zusätzlichen Werbemarkt. Der lokale Handel träte als Vermarkter in Erscheinung, würde ebenfalls profitieren.

Grüne Maßnahmen

Mit einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes wollen wir eine konditionierte Marktöffnung für den Fernbusverkehr erreichen, aber auch eine Überreglementierung aufbrechen, die Unternehmen davon abhält, eigene Shuttle-Services anzubieten und damit eigene Antworten auf das Problem der letzten Meile geben wollen. Damit wird die autofreie Anreise erleichtert. Zudem wollen wir sicherstellen, dass es wieder ein qualitativ hochwertiges Schienenfernverkehrsangebot in der Fläche gibt. Dies soll durch ein Fernverkehrssicherstellungsgesetz erreicht werden, auf dessen Basis Fernverkehrslinien ausgeschrieben werden können. Die Mitnahme von Fahrrädern in der Bahn muss erleichtert und soll auch im ICE ermöglicht werden. Wir fordern ein Konzept für europäische Nachtreisezugverbindungen, das die großen Metropolen und Hauptstädte in Europa miteinander verbindet. Projekte zur Elektromobilität sollten vor allem seitens der ansässigen Tourismuswirtschaft in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Ländern erarbeitet werden. Ergänzend sind aber auch Anreize im Reisekostenrecht nötig, um Flottenparks von Unternehmen für Geschäftsreisen auf emissionsarme oder –freie Modelle umzustellen.

Best-Practice

Beispiel: Gemeinde Werfenweng

Mit gutem Beispiel geht die Gemeinde Werfenweng im Salzburger Land in Österreich als Mitglied im Tourismusverbund Alpine Pearls voran. Sie bietet Gästen, die mit der Bahn anreisen einen kostenlosen Shuttleservice vom und zum Bahnhof und die kostenlose Ausleihe von umweltfreundlichen Fahrzeugen (u.a. Elektroautos). Für Ausflüge ins nahe Salzburg stehen auch spezielle Bustransfers zur Verfügung. Die Reisenden müssen dabei auf nichts verzichten und kommen entspannt am Urlaubsort an. Die Destination generiert damit einen Mehrwert für den Kunden, der Urlaub beginnt bereits bei der Abfahrt.

[1] Quelle: iwd (2010): Ausgabe 33/2010 vom 19. August , S.7