Neben der Herausforderung, den Investitionsstau zu beheben, kommt auf das Gewerbe eine weitere Herausforderung zu. Denn fehlende Barrierefreiheit ist ein Wettbewerbsnachteil. Laut der Studie "Barrierefreier Tourismus für Alle in Deutschland – Erfolgsfaktoren und Maßnahmen zur Qualitätssteigerung" des BMWi (2008) ist für etwa 10 Prozent der Bevölkerung eine barrierefrei zugängliche Umwelt zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 Prozent notwendig (entspricht etwa 25 Mio. Menschen) und für 100 Prozent komfortabel. Auch die Belange von Menschen mit Kindern sind in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen. Eine barrierefreie Infrastruktur nützt nicht nur allen Bürgerinnen und Bürgern. Sie ist auch per Grundgesetz vorgeschrieben (Artikel 3 Abs. 3 GG). Demografisch bedingt wird die Zahl derjenigen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, weiter zunehmen. Barrierefreiheit muss dabei umfassend gedacht werden – von allen Beteiligten. Gebäude für RollstuhlfahrerInnen zugänglich zu machen, ist nur ein Aspekt eines barrierefreien Angebots. Es gilt auch die Belange von Menschen mit Sinnesbehinderungen, chronisch-somatischen und psychischen Erkrankungen und Lernschwierigkeiten zu berücksichtigen.

Tipps für Maßnahmen und Informationen zum barrierefreien Tourismus bietet die "Nationale Koordinationsstelle Tourismus für alle" (NatKo)[1]. Anbieter können damit ihr Angebot über  Checklisten auf Barrierefreiheit überprüfen und gezielt verbessern. Derzeit steht die NatKo vor großen Finanzierungsschwierigkeiten. Sie zu erhalten, ist von großer Bedeutung. Einen internationalen Vergleich und Verweise zu den wichtigsten Informationsseiten im Internet bietet die Seite: www.barrierfree-tourism.eu.

Grüne Ziele

Wir verstehen unter Barrierefreiheit einen breiten Ansatz, der die Vielfalt verschiedener Barrieren und Beeinträchtigungen berücksichtigt. Stufenfrei zugängliche Gebäude und Anlagen sind ebenso ein Ziel wie Angebote in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache. . Eine barrierefreie Infrastruktur nützt Eltern mit Kleinkindern, älter werdenden Menschen und Menschen mit Behinderungen. Die Zahl der Urlaubsreisenden zwischen 65 bis 75 Jahren wird bis 2020 um 40 Prozent zunehmen (Reiseanalyse 2000-2010, FUR - Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.) In dieser Reisegruppe ist ein besonders hoher Anteil an Deutschlandreisen (41,2 % ó 30,5 %) festzustellen. Dabei handelt es sich also keineswegs um eine vernachlässigbare Marktnische. Die Studie des F.U.R. zeigt, dass es im Jahr 2004 über 10 Millionen Reisende mit Behinderungen gegeben hat. Im Vergleich wurden "nur" 1,1 Mio. Wellnessurlauber gezählt (DZT 2004). Mögliche Effekte sind bis zu 5 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen in der Tourismusbranche sowie zusätzliche 90.000 Arbeitsplätze. Diese Potentiale gilt es zu nutzen.

Grüne Maßnahmen

Die Beibehaltung der NatKo ist wesentlich für das Ziel der Barrierefreiheit im Tourismus. Das KfW-Programm zur Barrierefreiheit bzw. Altersgerecht Umbauen sollte auf hohem Niveau stabilisiert werden. Eine gezielte Vermarktung über die Hausbanken in die Tourismusbranche hinein, würde erhebliche Umsätze generieren und auch hier dem regionalen Handwerk zugute kommen. National und regional gilt es die ökonomischen Chancen und weitere Informations- und Beratungsangebote zu fördern, um barrierefreien Tourismus als weiteres Qualitätsmerkmal des Deutschlandtourismus auszubauen.

Best-Practice

Beispiel: Barrierefreiheit im Nationalpark Eifel

Der Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Menschen mit und ohne Behinderung das Erleben der Natur zu ermöglichen. Dazu werden in Kooperation mit der Nordeifel Tourismus GmbH alle touristischen Angebote barrierefrei gestaltet, zum Beispiel durch Führungen in Gebärdensprache, barrierefreie Wanderrouten, Barrierefreiheit der Informationen im Gelände, spezielle Reisearrangements für Menschen mit Behinderungen.

[1] Die NatKo hat sich seit ihrer Gründung 1999 zur zentralen Anlaufstelle für die Belange des barrierefreien Tourismus für alle in Deutschland entwickelt.