Luft gelangt ungefiltert direkt aus den Triebwerken in die Kabinen von Passagierflugzeugen - eine große Gefahr, die von den Fluggesellschaften gerne verschwiegen wird.

Erst am 3. Februar des vergangenen und am 16. März diesen Jahres berichtete das TV-Magazin "plusminus" über Zwischenfälle durch kontaminierte Luft an Bord von Flugzeugen. In besonders schweren Fällen äußern sich der Vorgang durch starken, nach Öl-riechenden Dampf. Er ist ein Zeichen für Trikrebylphophat (kurz: TCP), ein Nervengift, und Beta-Naphythylamin, eine krebserregender Stoff. Die Fälle, bei denen die Gase in die Atemwege von Passagieren oder Besetzung gelangen, häufen sich. Wischproben bestätigen laut "plusminus" zum Beispiel in 19 % der Condor-Flüge eine Belastung.

Laut geltendem Recht ist diese verboten, gegenüber TCP herrscht eine Nulltoleranz.

Während die Bundesregierung die Gefahren mit den Worten "belastbare Erkenntnisse über eine grundsätzliche Gefährdung von Flugpersonal und Passagieren durch kontaminierte Kabinenluft liegen der Bundesregierung (…) nicht vor" abwiegelt, sprechen die technischen Indizien und die laut Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung große Dunkelziffer eine andere Sprache.

Die Diskrepanz zwischen meldepflichtigen und tatsächlich vorkommenden Fällen ist dabei leicht zu erklären. Die Probleme liegen einerseits in der Unkenntnis vieler Crew-Mitglieder, andererseits in der Weitergabe von Informationen an die Airlines: Meldet ein Crew-Mitglied dem Luftfahrtbundesamt einen Fall, so wird dieser Fall sowie die Quelle der Information an die Airlines weitergegeben. Bei einigen Fällen, so ergab die "plusminus"-Recherche, hat das zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geführt.

Jüngst hat es jedoch eine ganze Welle von anonymen Nachmeldungen gegeben. Es wird also für alle Akteure dringend Zeit, sich damit konsequent auseinanderzusetzen und die Probleme ernsthaft aufzuarbeiten. Denn bislang fehlt es sowohl bei der Bundesregierung, dem Luftfahrtbundesamt als auch den Airlines und Flugzeugherstellern an erkennbarem Willen.

Es muss Schluss sein mit der Sorglosigkeit gegenüber Flugpersonal und Verbrauchern sowie der Informationsunterdrückung. Opfer gibt es bereits mehr als genug. Doch nicht immer fällt die Diagnose auf das "aerotoxische Syndrom". Zumeist bleibt es bei "unbekannte Anamnese".

Zu "Aerotoxisches Syndrom" bei "plusminus"