Arbeiten mit Weitblick – Coworking auf dem Land: Neue, digitale Arbeit in Gemeinschaft als Chance für ländliche Regionen

Früher Ponyhof, heute Coworking Space. Coworking ist bereits in vieler Munde und das nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Deshalb haben wir dem Thema ein eigenes Fachgespräch gewidmet, in dem wir über die Grundlagen, die es hierfür braucht und die Chancen, die solche Orte für den ländlichen Regionen bieten, gesprochen haben. Ein Thema, so haben wir gelernt, bei dem es um viel mehr geht, als nur darum neue Räume für neue Arbeit zu schaffen. Die Fraktion Die Grünen/Bündnis 90, vertreten durch Katrin Göring-Eckardt und Markus Tressel, machten deutlich, welche Bedeutung sie dem Thema beimessen, besonders vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Eingeleitet wurde das Gespräch von Dr. Anja Wagner mit einem inspirierenden Vortrag aus arbeitsphilosophischer Perspektive. Coworking und neue Arbeit an sich sind eingebettet in die Realitäten der vernetzten Welt. Nur wenn wir groß denken, können wir radikale Lösungen für aktuelle Herausforderungen finden. Dabei sollte der Mensch in der sich wandelnden Arbeitswelt im Fokus stehen und eine Ermächtigungskultur geschaffen werden, sodass sich jeder einzelne, aber auch die Menschen insgesamt, bestmöglich entwickeln können. Die kollektive Intelligenz dürfe nicht unterschätzt werden, so Dr. Wagner, und schlug so die Brücke zum Coworking. Denn es seien genau solche Orte, an denen Menschen mit den verschiedensten Hintergründen aufeinander träfen und Innovationen entstehen können.

Mit Silvia Hennig, Tobias Kremkau und Ulrich Bähr waren drei der Szene gut bekannte Personen anwesend, die mit ihren Inputs die Diskussion bereicherten und auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholten. Ein Coworking Space hat das Potential in ländlichen Regionen ein Ort für Austausch und somit auch Innovationen zu sein. Aber dafür müsse ein Ort zunächst das richtige Konzept für sich finden. Das eine Konzept gibt es nicht. Für die Wiederbelebung eines Ortes reicht es nicht aus einen Coworking Space aufzumachen. Dieser kann nur ein Baustein in der Gesamtstrategie sein.

Das Fachpublikum brachte selber diverse, eigene Erfahrungen in das Gespräch ein. Die Herausforderung aus wirtschaftlicher Sicht, ist es ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, gerade dort, wo Lücken in der Infrastruktur und Logistik bestehen. Coworking ist auch als Einrichtung der Daseinsvorsorge, wie Kitas oder ärztliche Versorgung, dort denkbar, wo Kommunen bereit sind, diese mitzufinanzieren. Die Wirtschaftsförderung sieht vor allem Potential in der Kombination mit Gründerzentren. Wieder andere stellen den Treffpunkt mit einem Café in den Fokus und die Notwendigkeit sich an seine Umgebung (zum Beispiel eine alternde Gesellschaft) anzupassen. Kreative Multinutzungskonzepte sind wichtig für alle, die einen Coworking Space langfristig etablieren wollen. Und die werden zurzeit in den unterschiedlichsten Ecken der Bundesrepublik getestet.

Selbstverständlich ging es auch um die bestehenden Fördermöglichkeiten, die mit Ausnahme beispielsweise von Rheinland-Pfalz, für Coworking noch unausgereift bis non-existent sind. Der Wunsch nach mehr Offenheit im Fördersystem wurde laut, aber auch die Warnung nicht wild überall auf dem Land Coworking Spaces zu finanzieren, die möglicherweise nicht funktionieren und potentiell Frust zurück lassen. Genossenschaftliche Lösungen wurden mehrfach gelobt und Vergünstigungen hierfür angeraten.


Coworking kann ein positiver Standortfaktor sein und somit junge Menschen, potentielle Rückkehrerinnen und -Rückkehrer oder Neubürgerinnen und –Bürger, anziehen. Orte, in denen Kultur, Unternehmertum und Bildung zusammen kommen, können Impulse für eine ganze Region geben. In einer sich wandelnden, zunehmend digitalen Arbeitswelt muss zukünftig Nähe organisiert werden. Coworking Spaces können hierbei als Knotenpunkte in der Wissensgesellschaft dienen. Dafür braucht es Mut. Mut des Einzelnen, aber auch bei den Unternehmen und Behörden muss sich etwas ändern. Der Bund und die Länder müssen die Rahmenbedingungen liefern, mit einer zielgenauen Förder- und Strukturpolitik, die anstatt Jahre hinterher zu hinken, mutig nach vorne schaut.

Regionalwirtschaft

  • Mittelstand fördern
  • Einzelhandel erhalten
  • Regionale Wertschöpfung stärken

Nahversorgung

  • Integrative Konzepte entwickeln
  • regionaler Lebensmittel vermarkten
  • Gesundheitsversorgung sichern

Daseinsvorsorge

  • Breitband-Ausbau vorantreiben
  • Interkommunale Zusammenarbeit erleichtern
  • Versorgungslücken überbrücken

Demografie

  • Freizeitangebote schaffen
  • Bürgerbeteiligung ernst meinen
  • Barrierefreiheit umsetzen

Ländliche Mobilität

  • Tourismus fördern
  • Erreichbarkeit des ländlichen Raums sichern
  • Innovative ÖPNV-Konzepte umsetzen

Förderpolitik

  • Fördertöpfe verzahnen
  • Akteure vor Ort stärken
  • Kommunen unterstützen