Tressel fordert mehr Ernährungsbildung und effizienteres Wirtschaften

Das von der französischen Nationalversammlung beschlossene Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung sieht vor, dass unverkaufte Lebensmittel künftig von Supermärkten nicht mehr vernichtet werden dürfen. Dieses Gesetz könne in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Deutschland sein, findet Markus Tressel, Sprecher für Ländliche Räume und Grüner Bundestagsabgeordneter für das Saarland. 

Dass französische Supermärkte unverkaufte Lebensmittel nicht mehr mit flüssigem Chlor vernichten dürfen, ist ein richtiges Signal. Stattdessen werden sie verpflichtet, noch genießbare Ware an Wohltätigkeitsorganisationen wie Tafeln abzugeben oder zumindest der Landwirtschaft als Tiernahrung zur Verfügung zu stellen. So sollen bis 2025 die Abfälle, die aus eigentlich noch essbarer Nahrung entstehen, um 50% reduziert werden. Das sollte uns ein Vorbild sein, denn auch in Deutschland haben wir ein großes Problem mit der Lebensmittelverschwendung! Deutsche Haushalte werfen jährlich Lebensmittel für 20 Milliarden Euro weg. Dahinter stecken Agrarsubventionen, XXL-Verpackungen, Mindesthaltbarkeitsdatum und mangelnde Ernährungsbildung. Hier müssen wir auch politisch endlich handeln!

Dabei sind die von Supermärkten und Privathaushalten weggeworfenen Lebensmittel nur Teil des Problems. Genauso wichtig sei es, in der Lebensmittelproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Hof bis auf den Teller Verschwendungen abzubauen, notfalls auch mit gesetzlichen Vorgaben.

Ernährungsbildung für Privathaushalte ist die halbe Miete. Hier hat das Landwirtschaftsministerium mit der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ schon an Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert, besser die Mahlzeiten zu planen, sachgerecht zu lagern oder Rezepte für Reste auszuprobieren. Wer aber denkt, damit dem Problem der Lebensmittelverschwendung beizukommen, denkt viel zu kurz. Wir brauchen nicht nur eine Zielvorgabe für den Abfall am Ende der Wertschöpfungskette. Viel wird schon auf dem Feld aussortiert, viel beispielsweise auch in industriellen Schlachthöfen weggeworfen. Schließlich sind Portionen in Restaurants am Bedürfnis vorbei kalkuliert oder Caterings nach einer Großveranstaltung zur Hälfte übrig – auch das wandert derzeit alles in die Tonne. Hier brauchen wir eine neue Wertschätzung für Lebensmittel und damit einhergehend auch eine neues, effizientes und bedarfsgerechtes Wirtschaften. Das schon am Ende auch den Geldbeutel.

Regionalwirtschaft

  • Mittelstand fördern
  • Einzelhandel erhalten
  • Regionale Wertschöpfung stärken

Nahversorgung

  • Integrative Konzepte entwickeln
  • regionaler Lebensmittel vermarkten
  • Gesundheitsversorgung sichern

Daseinsvorsorge

  • Breitband-Ausbau vorantreiben
  • Interkommunale Zusammenarbeit erleichtern
  • Versorgungslücken überbrücken

Demografie

  • Freizeitangebote schaffen
  • Bürgerbeteiligung ernst meinen
  • Barrierefreiheit umsetzen

Ländliche Mobilität

  • Tourismus fördern
  • Erreichbarkeit des ländlichen Raums sichern
  • Innovative ÖPNV-Konzepte umsetzen

Förderpolitik

  • Fördertöpfe verzahnen
  • Akteure vor Ort stärken
  • Kommunen unterstützen