Konsum 27.10.2011

Vielfalt erhalten - auch im Labeldschungel

Fachgespräch "Nachhaltigkeitssiegel - strategischen Konsum stärken"

2011-10-21-siegel-1

Immer wieder fiel der Begriff „Labeldschungel“. Bei einem Fachgespräch über die Frage eines Gütesiegels für Nachhaltigkeit diskutierten am Freitag, 21. Oktober, neun Experten über dieses aktuelle Thema. Darunter Professor Dr. Lucia Reisch, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung und Professorin für Konsumverhalten und Verbraucherpolitik. „Was haben Sie gegen den Labeldschungel? Wir sind für Biodiversität!“ konterte ein Fachgesprächsteilnehmer. Das Fazit der Veranstaltung hat dieser Teilnehmer somit gleich vorweg genommen. Das mit 120 Teilnehmern sehr gut besuchte Fachgespräch: „Nachhaltigkeitssiegel.

 

Strategischen Konsum stärken“ zeigte, dass das Thema gerade in aller Munde ist und Handlungsbedarf besteht. Was das im Einzelnen bedeutet, wird sich nach genauerer Auswertung der Veranstaltung zeigen. Doch hat sich Eines ganz sicher geklärt: Es wird nicht darum gehen, den Labeldschungel mittels eines Kahlschlages zu reduzieren. Die FAZ sprach im Sommer 2011 von mehr als 1000 auf dem Markt existierenden Güteund Qualitätssiegeln, die zum Teil in nur sehr kleinteiligen Randbereichen gültig sind. Doch die daraus resultierende Annahme, die große Anzahl von Qualitäts- und Nachhaltigkeitssiegeln müsste dringend reduziert werden, damit den Verbrauchern mehr Transparenz und mehr Sicherheit bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen geboten werden kann, ist weder durchführbar noch sinnvoll. Deutlich wurde in der Diskussion, dass ein Großteil der Siegel sich auf dem Markt etabliert haben. In ihrem angestammten Bereich haben diese eine definitive Daseinsberechtigung. Biodiversität eben.

Allerdings fehlt , so die Expertin Dr. Ulrike Eberle, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den meisten Siegeln die soziale Komponente. Außerdem gilt es, die schwarzen Schafe rauszufiltern, jene die Nachhaltigkeit auf ihre Fahne schreiben, dies aber nicht in die Tat umsetzen. Um „Greenwashing“ zu vermeiden, braucht es messbare Indikatoren und unabhängige Zertifizierer. Aber das ist erst der übernächste Schritt – der nächste wird es sein, heraus zu arbeiten, wie nun ein Nachhaltigkeitssiegel konzipiert sein könnte.

Vielleicht erfährt ein schon auf dem Markt bestehendes Zeichen eine Bedeutungserweiterung? Das könnte ein neu gestalteter blauer Engel sein, dessen Kriterien erweitert werden und der zugleich eine etwas veränderte Gestalt bekäme. Interessiert wurde auch die Nachhaltigkeitsampel „WeGreen“ von den Teilnehmern aufgenommen, denn sie zeigt auf den ersten Blick, ob das Produkt nachhaltig, also grün ist oder gelb, relativ nachhaltig, bzw. rot, nicht nachhaltig. Allerdings wird sich wohl kaum ein Unternehmen freiwillig ein Ampelrot auf sein Produkt platzieren lassen, darin war man sich einig. Markus Tressel: „Vieles spricht für ein Dachsiegel, weil es vorhandene Labels erhält und jene als nachhaltig auszeichnet, die es  tatsächlich sind.“ Die strategische Kaufentscheidung der Konsumenten schließlich kann dazu beitragen, dass mehr Produkte und Dienstleistungen mit einem solchen Nachhaltigkeits-Label ausgezeichnet werden.

Die Ergebnisse des ersten Tourismusgipfels 2011.