Klimawandel 10.02.2016

Skitourismus in Deutschland vor dem aus

Der Klimawandel wird für den Skitourismus in Deutschland zur existentiellen Bedrohung. Dennoch werden weiter Millionen in den Wintertourismus investiert. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage „Folgen des Klimawandels für den Wintertourismus in deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen“ von Markus Tressel und der Grünen-Bundestagsfraktion. Tressel dazu:

„Seit Jahren verschlafen die Bundesregierung sowie die Bayerische Landesregierung den Klimawandel, wenn es um den Wintertourismus geht. Die wenigen Anpassungsmaßnahmen kommen viel zu spät, obwohl die Auswirkungen schon seit vielen Jahren bekannt sind.“

In Gebirgsregionen erwartet die Bundesregierung einen Temperaturanstieg von deutlich mehr als zwei Grad. Dadurch werde sich die Höhengrenze der natürlichen Schneesicherheit um 300 Meter nach oben verschieben. Zudem sei mit einer deutlich verkürzten und verlagerten  Wintersportsaison zu rechnen. Bereits heute sind 50% der deutschen Skigebiete auf künstliche Beschneiung angewiesen. In Zukunft würden nur noch 9 % der Skigebiete im Alpenraum natürlich schneesicher sein.

Wo nicht ausreichend alternative Angebote zum Skitourismus geschaffen werden, droht der Rückgang der Beschäftigung und der regionalen Wertschöpfung. In vielen Skiregionen wird dem Klimawandel hinterhergebaut. Man setzt auf mehr Beschneiungsanlagen und fördert dies auch noch mit Steuermitteln in Millionenhöhe. So wird die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Skitourismus verstärkt. Dazu erklärt der Grünen-Tourismusexperte:

„In den betroffenen Regionen muss bereits heute umgedacht werden, um einzelne Kommunen nicht wirtschaftlich zu ruinieren. Jede weitere Investition in Skiinfrastruktur ist in Deutschland eine Fehlinvestition und alles andere als nachhaltig. Andere Regionen in Europa haben da deutlich bessere Bedingungen.

Es darf keine Neuinvestitionen von öffentlichen Geldern in Skiinfrastruktur geben. Wir brauchen eine Lösung, die Tourismuspotenziale systematisch erfasst und neue Förderrichtlinien, die Alternative Formen des Wintertourismus schon kurzfristig stärken.“

Schon im Oktober hatte die Grüne Bundestagsfraktion in einem Antrag zum deutschen Vorsitz der Alpenkonvention ein Umdenken bei der Tourismusentwicklung im Gebirgsraum gefordert. So könnten bestehende Strukturen zur Förderung des Tourismus stärker auf ganzjährigen Tourismus ausgerichtet werden, aus Bundesmitteln zur Tourismusförderung könnte ein Forschungsschwerpunkt „Innovationsprozesse im Tourismus am Beispiel des Alpenraumes“ finanziert werden und bestehende erfolgreiche Projekte zur Besucherlenkung könnten ausgebaut werden.